Wolfenbüttel
60 Aufenthalte zwischen 1862 und 1895 bei Bruder Gustav
Gustav Busch und Frau Alwine wohnten in Wolfenbütteler im Alten Forsthaus, der Posthalterei und Gastwirtschaft am Neuen Weg. Wilhelm Busch war oft zu Besuch dort. Eine Zeit lang hatte er dort ein kleines Atelier mit Nordlicht, es ent-
standen Zeichnungen, zwei Ölbilder und viele Briefe u.a. zahlreiche an Marie Anderson. Hier lernte er Anna Richter und Grete Fehlow kennen und ging gern mit seinem Bruder zum Stammtisch im Alten Posthorn. Ein Kuraufenthalt brachte ihn 1881 nach einer schweren Nikotinvergiftung wieder auf die Füße.
Nach Gustavs Tod wurden die Besuche bis 1895 fortgesetzt.
In einem Brief, den Wilhelm Busch im August 1872 an die Kessler-Mädchen Nanda und Letty schrieb, findet sich in einem längeren Gedicht dieser Fünfzeiler:
Die Sonne ging auf, der Himmel ward heiter;
Und als ich im alten Wolfenbüttel
Bei Seit gestellt den Wanderknittel
Und mir so Alles rings besah –
Schau schau! da war auch der Frühling da.
Wolfenbüttel (…) berühmt durch seine Bibliothek, berüh-
mter noch durch seinen einstmaligen Bibliothekar Leßing – Wolfenbüttel ficht mich wenig an. Ich wohne auf dem Forsthause, vor dem Thor der Stadt gelegen. Dieses Forsthaus, im grauen Alterthum ein wirkliches Forst-
haus, ward später Wirthshaus und Posthalterei. Eine Tochter des letzten Posthalters hat einer meiner vier Brüder geheirathet. Er verkaufte die Wirthschaft, behielt den größten Theil des Grundstücks zurück und hat darauf eine Conservefabrik angelegt. In seinem Keller liegt guter Rheinwein und guter Champagner; rings um’s Haus liegen Obstgärten, schrieb Busch am 26. April 1875 an Maria Anderson.
Wolfenbüttel ist als Bischofsstadt Sitz der Kirchenregierung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braun-
schweig. Die Stadt liegt in Niedersachsen zwischen Harz und Heide, etwa zwölf Kilometer südlich von Braunschweig. Die vermuteten Ursprünge Wolfenbüttels sind im 10. Jahrhun-
dert zu finden, als sich ein Siedler namens Wulferus an einer Furt in den sumpfigen Okerauen niedergelassen haben soll. An einer frequentierten Handels- und Heerstraße zwischen Rhein und Elbe gelegen, entstand dort die Siedlung Wulferis-
buttle. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wolfenbüttel im Jahr 1118. Aus der damals angelegten Wasserburg Wolfenbüttel ging die heutige Stadt hervor.