Grete Fehlow
* um 1860, † 1946
Aktzeichnen gehört bis heute zur akademischen Künstler-
ausbildung. Zeichnet man jedoch im Hause des Bruders die entblößte junge Hausangestellte, dann ist das eine ganz andere Sache. Eine aufregende. Vielleicht hat sich die hübsche Grete deshalb nicht ganz ausgezogen. Dass den Zeichner Busch mehr bewegte als nur die Bewältigung der Anatomie, kann man der Zeichnung ansehen. So variiert der Bleistift-
strich von streichelnder Zartheit bis zu grob packendem Zugriff. Die Psychologie hätte ihre helle Freude an diesem sublimierten Liebesakt. Und Wilhelm Busch hätte diese Zeichnungen verbrannt, wenn er geahnt hätte, was man da heute alles hineindeutet.
Grete Fehlow war eine Nichte von Alwine Busch, der Frau seines Bruders Gustav. Sie lebte und arbeitete als Haus-
mädchen in der Familie. Wilhelm Busch lernte die junge Frau kennen, als sich der knapp 50-Jährige 1881 in Wolfen-
büttel von den Folgen einer Nikotinvergiftung erholte.
Ihre lebensfrohe Gegenwart muss ihm gefallen und gut getan haben.
Wilhelm Busch zeichnete die junge Grete mehrfach.
1881 besuchte Wilhelm Busch sie in Berlin. Als Grete zwei Jahre spärer heiratete, schickte er ihr zur Hochzeit ein Kochbuch mit einem wunderschönen, liebevollen Widmungsgedicht, Busch selbst blieb diesem Ereignis allerdings fern.