Frankfurt

Wohnort 1868 - 1872 und weitere Besuche bis 1907

Wilhelm Busch kam 1867 zum ersten Mal nach Frankfurt am Main, um seinen Bruder Otto zu besuchen, der als Lehrer und Erzieher im Haushalt des Bankiers Johann Daniel Hein-
rich Kessler und seiner Frau Johanna tätig war. Die ganze Familie Kessler fand Gefallen an dem unterhaltsamen und klugen Mann.

Die Töchter Nanda und Letty unterrichtete er im Zeich-
nen. Mit Johanna Kessler verband ihn eine lebenslange Freundschaft, wohl aber auch eine unerfüllte Liebe.

Die Familie Kessler bot Busch bei seinen regelmäßigen Besuchen das Gästezimmer in der herrschaftlichen Villa in der Bockenheimer Landstraße 62 an, das bald zu seinem festen Wohnsitz wurde. Im Kettenhofweg 44 ließ ihm Johanna Kessler ein Atelier einrichten. Im Oktober 1871 bezog er eine eigene Wohnung im ehemaligen Kutscherhaus auf dem Kesslerschen Anwesen. Busch wurde jedoch kein Frankfurter. 1872 ging er zurück nach Wiedensahl. Ein Zerwürfnis mit Johanna Kessler führte 1877 zu einer fast vierzehnjährigen „Sendepause“. Erst ab 1891 besuchte er die Stadt am Main wieder regelmäßig, zuletzt im Juni 1907, sieben Monate vor seinem Tod.

Eine Aufführung von Offenbachs Die schöne Helena im Frankfurter Thalia-Theater und dabei angeblich die freizügige Bühnengarderobe der Hauptdarstellerin inspirierte Busch zur Frommen Helene.
Die 1872 veröffentlichte Bildergeschichte um religiöse Heuchelei und zwielichtige Bürgermoral kann man sich also mit Frankfurt als Kulisse vorstellen. Einige Passagen weisen darauf hin, dass Busch seine zunehmende Entfremdung und kritische Auseinandersetzung mit dem Lebenskonzept der Familie Kessler einfließen ließ. Das wird Johanna Kessler nicht gefallen haben.

Mein Besuch in Frankfurt a/ Main stand unter dem Zeichen des Automobils. Hunderte dieser Stänker flitzten hin und her und blärrten dabei gleich, denk ich mir, den Rhinozerößern im Urwald. Zunächst kommen Einem die Dinger ja unheimlich vor; dennoch mögen sie wohl zu land die Fahrzeuge der Zukunft sein. Wagen mit den armen Heuschrecken von Pferden davor sehen dagegen wirklich recht rückständig aus.

So Busch in einem Brief vom 30. Juni 1904 an Grete Meyer.

Frankfurt am Main liegt auf beiden Seiten des Untermains südöstlich des Taunus. Seit 1562 war Frankfurt Krönungsstadt der römisch-deutschen Kaiser. 1848/49 hatte hier das erste frei gewählte deutsche Parlament seinen Sitz. Bis 1866 entwickelte sich eine eher planlose Bebauung, die noch heute in zahlreichen krummen Straßenführungen ablesbar ist. Erst in preußischer Zeit wurde dann auf dem Reißbrett ein schachbrettartiges Straßenraster entwickelt.

Heute ist Frankfurt ein internationales Finanzzentrum und ein wichtiges Industrie-, Messe- und Dienstleistungszentrum.