Hermann Nöldeke senior
* 16.8.1805 in Bassum, † 27.8.1878 in Wiedensahl
Pastor Hermann Nöldeke war alt, seine Schwester Fanny war jung. Das ist zumindest als Ehe eine Konstellation, die ein älterer Bruder mit Misstrauen betrachtet. Doch Wilhelm ver-
stand sich gut mit seinem Schwager. Obwohl er mit der Kirche wenig im Sinn hatte und Frömmelei verabscheute, konnte er die christliche Haltung und die Tätigkeit des Pastors anerkennen. Und dieser versuchte wohl gar nicht erst, einen Kirchgänger aus ihm zu machen. Als Wilhelm Busch 1872 aus Frankfurt „floh“, zog er zu der Familie seiner Schwester in das Wiedensahler Pfarrhaus. Im ersten Obergeschoss bewohnte er zwei Zimmer.
Der Wiedensahler Pastor Hermann Nöldeke hatte schon drei Kinder aus erster Ehe, als er am 28.4.1859 Fanny Busch heiratete. Seine erste Frau Wilhelmine, geb. Schuster war am 7.3.1858 mit 41 Jahren gestorben. Die Kinder Sophie (1841 – 1903), Wilhelm (1845 – 1923) und Marie (1851 – 1923) lebten auch mit im Pfarrhaushalt – Zwei Mädchen waren 1841 und 1847 in frühem Alter gestorben.
Hermann und Fanny bekamen vier Söhne: Hermann, Adolf, Adolf und Otto. Ihr zweiter Sohn, den sie wie den dritten Adolf nannten, starb mit knapp einem Jahr.
Pastor Hermann Nöldeke kam 1841 nach Wiedensahl und war der letzte Pfarrbauer im Ort. Als er 1859 Fanny Busch heiratete, war ihr Vater Kirchenvorsteher!
Zu den Pfarreien gehörte größtenteils auch ein Stück Land, das der Pfarrer für seinen Unterhalt selbst bebaute; die so genannten Pfründe. Je nach der Qualität der Pfründe fiel auch der Lebensunterhalt der Pfarrer aus. Erst um die Jahr-
hundertwende wurden die Pastoren „verbeamtet“ und erhielten ihr Einkommen aus den Kirchensteuern. Somit entfiel auch die Notwendigkeit der Gemeinden, sich um die Pastorenwitwen kümmern zu müssen.
Zur Pfarre in Wiedensahl gehörten schon 1796 rund 35 ha und 1880 bereits 40 ha. Diese waren zu Zeiten Hermann Nöldekes größtenteils verpachtet.
Wilhelm Busch wurde von seinem Schwager öfters als „Pfarrverweser“ eingesetzt, während dieser auf Reisen war. Der Künstler unterbrach sogar teilweise seine eigenen Reisen, um den Pastor für ein paar Tage zu vertreten und um „Haus und Amt“ zu übernehmen. Die Gedichtsammlung Kritik des Herzens ist nachweislich in einer dreiwöchigen Vertretungszeit entstanden.