Wiedensahl

Geburtsort und Heimat für mehr als 40 Jahre

Auch wenn Wilhelm Busch mehr als die Hälfte seines Lebens in seinem Geburtsort gewohnt hat, müssen an seiner schein-
baren Wiedensahl-Liebe doch ein paar Abstriche gemacht werden. Erstens: Er wollte keinen Besuch in Wiedensahl. Die Freunde und Geschäftspartner sollten seine Lebenssituation nicht sehen. Zweitens: Obwohl er als kräftigster Steuerzahler Wiedensahls Stimmrecht in allen Gemeindeangelegenheiten hatte, hat er – soweit bekannt – davon nie Gebrauch ge-
macht. Drittens: Er konnte 1898 ohne Zögern wegziehen, um nie wieder zurückzukehren. Was Busch an Wiedensahl schätzte, war die Ruhe vor dem Getöse der Welt, die fami-
liäre Wohnsituation und die viele Natur rund ums Dorf.

Wiedensahl, platt Wiensaol, hat seinen Namen zum Teil von dem in der Mitte des Orts befindlichen Teiche, dat saol genannt, so daß jemand, der Freud am Vermuten findet, sich denken mag, die Bedeutung des Ganzen könnte vielleicht Wald-, Weiden- oder Heiligensee sein.

Das Geburtshaus von Wilhelm Busch

Das Leben bei Schwester Fanny und ihrer Familie im Alten Pfarrhaus

Das Zusammenleben mit Schwester Fanny im Pfarrwitwenhaus

Wiedensahl, das Dorf in dem Wilhelm 1832 geboren wurde, hatte zu dieser Zeit etwa 830 Einwohner, die zum größten Teil von der Landwirtschaft lebten. Nach 1801 arbeiteten in Wiedensahl 13 Schuhmacher, 9 Schneider, 8 Tischler, 6 Leineweber, 4 Grobschmiede, 3 Glaser, 3 Branntwein-
brenner, 2 Braumeister, 2 Grützemüller, 2 Ölschläger, 2 Schlachter, 2 Radmacher, 2 Böttcher, 1 Kornwindmüller, 1 Maurer, 1 Zimmermann. Außerdem gab es 6 Krämer, 2 Garnaufkäufer und 1 Bader.

Ein Denkmal ehrt den großen Künstler

Die Leute gingen am Sonntag zur Kirche. Im Sommer spa-
zierte man sonntags durch die Felder, im Winter traf man sich auf den Hausdielen bei mäßigem Getränk. Da wurde gesungen und erzählt. Musik und Tanz gab es nur gelegent-
lich. Fast jeder Bauernsohn musste ein Handwerk erlernen. So konnte er was dazu verdienen. Man lebte sparsam. Geld-
ausgaben wurden vermieden, stattdessen leistete man Arbeitshilfe oder zahlte in Naturalien. Die Frauen säten Lein aus, pflegten den Acker, ernteten und verarbeiteten die Pflanzen zu Flachs. Neben der Haus- und Gartenarbeit wurde gesponnen und gewebt. Die Tracht war schlicht. Schmuck oder Bequemlichkeit gab es in den Häusern nicht.

Die lange Dorfstraße war zwar gepflastert, jedoch uneben und löcherig. An ihr lagen links und rechts die Höfe. Vor den strohgedeckten Häusern waren die Misthaufen, auf denen die Hühner herum pickten. Im Jahr 1832 befand sich das Dorf in einem Strukturwandel. Der dörfliche Gemeinbesitz wurde auf die einzelnen Höfe und Hausstätten verteilt, damit diese das Land individuell bearbeiten und besser nutzen konnten. Aufgeteilt wurden auch die Anrechte auf ein 637 Morgen großes Waldstück. Diese Anteile, die ähnlich einer Aktie auch weiterverkauft werden konnten, legten fest, wie viel Bau- oder Brennholz jedem Anteilseigner zustand und wie viel Vieh er im Wald weiden lassen durfte.