Münster

Zwölf Besuche zwischen 1883 und 1907

Dass Wilhelm Busch auf seine alten Tage häufig in Münster weilte, lag nicht an der Stadt, die er als Protestant milde amüsiert zur Kenntnis nahm, sondern an seiner entfernten Verwandten Grete Meyer. Der hübschen Münsteranerin schrieb er in 15 Jahren mehr als 100 Briefe.

Der letzte datiert keine 14 Tage vor seinem Tod am 9. Januar 1908: Ich stehe auf der Grenze von hier und dort, und fast kommt es mir vor, als ob beides dasselbe wäre.

Zwölf Mal besuchte Busch die junge Dame, zuerst in ihrem Elternhaus an der Bergstraße 37, später im Haus ihres Gatten an der Georgskommende. In Münster suchte Busch auch Ruhe vor dem Rummel um seinen 75. Geburtstag.

Die Neubrückenstrasse in Münster

Prof. Andreas Thomsen, der Mann von Grete Meyer, führte Wilhelm Busch in den Civil Club Münster an der Neubrück-
enstraße
65 ein. Ins Gästebuch schrieb Busch:

Gern denk’ ich stets des Clubs in Münster. Wo’s so vergnügt und gar nicht finster: Die Sorge wie man Nahrung findet, Ist dort wahrhaftig unbegründet.

Von der Stadt Münster sind Busch vor allem die Glocken in Erinnerung geblieben. Das katholische Brummen, ewige Läuten und die langen Prozessionen nahm er sogar mit Ver-
gnügen zur Kenntnis – er, der klerikale Bigotterie vielfach karikierte wie in Der Heilige Antonius von Padua.

Münster liegt in der von sandig-lehmigen Ablagerungen überdeckten Westfälischen Tieflandsbucht inmitten einer von Streusiedlungen und Einzelhöfen geprägten Landschaft, dem Münsterland. Da die Kirchen das Stadtbild von Münster sehr prägen, bekam Münster schon früh die Bezeichnung Nordisches Rom. Als Fabio Chigi – der spätere Papst Alexander VII. – Mitte des 17. Jahrhunderts in Münster für die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden weilte, sagte er über die Stadt:

Bis in die Wolken erheben sich die spitzen Türme, von denen, für alle hörbar, melodisches Glockengeläut klingt.