Borkum
Inselurlaube 1976, 1978, 1879
Des Öfteren verfielen prominente Persönlichkeiten dem Reiz der westlichsten Insel Deutschlands. Die Urwüchsigkeit Borkums zog sie offenbar an.
Einer der ersten dieser Touristen war Wilhelm Busch. Er machte mehrfach im Sommer Ferien auf der Insel, obwohl ihm auf seiner ersten Fahrt eine seekranke Dame, wie er gleich humorig notierte, eine Art Pastetenfüllung ins Ohr verpasste.
Auf seinen Urlauben, zu denen Wilhelm Busch gelegentlich einen seiner Nöldeke-Neffen oder Bruder Hermann
mitnahm, lernte er die langjährige Briefpartnerin Marie Hesse und ihren Mann kennen. Auf Borkum dichtete er dieses und jenes, darunter auch den Vierzeiler:
So lange Herz und Auge offen,
Um sich am Schönen zu erfreun,
So lange darf man freudig hoffen,
Wird auch die Welt vorhanden sein.
(1907 aus Nachlese)
In Wilhelm Buschs dritten Borkumurlaub 1879 bat ihn die Beschließerin von Köhlers Strandhotel (heute Hotel Europa), Hermine, um ein paar Verse. Der prominente Gast, wahr-
scheinlich schon durch den poetischen Namen Hermine angeregt, erfüllte den Wunsch gerne und ausgiebig.
Die Insel gefällt mir beßer, als ich vorher dachte. Auf hübschen Wiesen und Weiden geht eine Menge Vieh. Der Leuchtthurm und die Kaaps (Seezeichen) geben dem Ort ein stadtartiges Ansehn; sonst sind nur 600 Einwohner da, wozu jetzt ein paar Hundert Kurgäste kommen. Wer allein sein will, der kann es; wer so Gesellschaft sucht, findet genug davon. Wir eßen Mittags an der table d’hôte im Hôtel, sonst zu Hause, und Abends wird in der Restau-
ration ein Glas Bier getrunken. Etwa 14 Tage wollen wir noch hier bleiben. Schreib mir jedenfalls noch hierher. Eine spezielle Adreße ist nicht nöthig, berichtete Busch am 14. Juli 1876 von der Insel Freund Erich Bachmann
Borkum ist die westlichste und größte der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln. Nachdem Norderney bereits im Jahre 1797 zum staatlichen Seebad geworden war und in der Folge einen wirtschaftlichen Aufschwung nahm, folgte Borkum. Die ersten Gäste wurden von Greetsiel aus mit Segelschiffen auf die Insel gebracht. Ab 1843 bot die Emdener Dampfschiff-
fahrtsgesellschaft Concordia einen regelmäßigen Fährbetrieb an. Dem hatten die von Wind und Wetter abhängigen Insel-
fährleute mit ihren Segelbooten vor allem in puncto Zuver-
lässigkeit und Geschwindigkeit nichts entgegenzusetzen. Die Segel-Fährverbindung mit Greetsiel wurde eingestellt.