Antwerpen

Studienort 1852 – 1853, Reisen 1874 und 1891

Antwerpen wurde Buschs künstlerischer Schicksalsort. Nachdem ihm das Kunst-Studium in Düsseldorf zu ver-
schult vorkam, wechselte er zusammen mit seinem Freund August Klemme im Mai 1852 an die Académie Royale des Beaux-Arts zu Josephus Laurentius Dyckmans. Hauptsäch-
lich jedoch studierte er die alten Meister der holländisch-flämischen Malerei. Ihre Werke begeisterten ihn, drückten ihn aber gleichzeitig und ließen ihn an seinen malerischen Fähigkeiten zweifeln. Busch wohnte am Eck der Käsbrücke in der Familie eines Bartscherers. Nach einer schweren Typhus-
erkrankung kehrt er körperlich und seelisch niederge-
schlagen nach Wiedensahl zurück.

Um den erkrankten Studenten aus dem fernen Wiedensahl kümmerten sich die Antwerpener Wirtsleute Jan und Mie. Die Pflege und Freundlichkeit, die er von ihnen erfuhr, beeindruckte Busch tief. Zum Abschied schenkten sie ihm eine leuchtend rote Jacke.

Diese Jacke taucht viel später in Buschs Gemälden immer wieder auf – als kleiner leuchtender Tupfer im Getöse der Blau-, Grün- und Brauntöne. Den Menschen im Kampf der Elemente erkennt man an der roten Jacke der Mitmenschlichkeit.

In Antwerpen sah ich zum erstenmal im Leben die Werke alter Meister: Rubens, Brouwer, Teniers; später Frans Hals. Ihre göttliche Leichtigkeit der Darstellung, die nicht patzt und kratzt und schabt, diese Unbefangenheit eines guten Gewissens, welches nichts zu vertuschen braucht, dabei der stoffliche Reiz eines schimmernden Juwels, haben für immer meine Liebe und Bewunderung gewon-
nen; und gern verzeih ich’s ihnen, daß sie mich zu sehr geduckt haben, als daß ich’s je recht gewagt hätte, mein Brot mit Malen zu verdienen, wie manch anderer auch
.

Busch in seiner Autobiographie Was mich betrifft (1886).

Antwerpen ist eine Hafenstadt in Belgien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt liegt im Norden des Landes in der Region Flandern. Seit den Zeiten Buschs erlebte die Stadt an der Schelde – jetzt zum neuen Staat Belgien gehö-
rend – einen Aufschwung als drittgrößter Seehafen Europas sowie als weltweit wichtigstes Zentrum für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten. Antwerpen war im 15. und 16. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt, zeitweise die wichtigste Handelsmetropole Europas und als bedeuten-
des kulturelles Zentrum Wirkungsstätte von Künstlern wie Rubens.