Anna Maria Anderson
* 1842 in Den Haag, † 1917
Kann aus einem Briefkontakt Liebe entstehen? Kann man einen Menschen durch seine Briefe kennen und lieben ler-
nen? Was sich heute tausende Internet-Nutzer fragen und zu einem großen Teil sogar mit „Ja“ beantworten, mag auch für Wilhelm Busch und Anna Maria Anderson eine Über-
legung wert gewesen sein. Im Laufe des Briefwechsels wurde aus der Geehrtesten Frau Anderson die Liebe Frau Anderson, ein Liebs guts Madamchen und dann gar die Liebe Mary oder LM.
Aber dann reichten eine Fotografie und ein Treffen aus, um alle aufkommenden Gefühle hinweg zu wehen.
Anna Maria Anderson war eine niederländische Schrift-
stellerin und Frauenrechtlerin. Von Januar bis Oktober 1875 gab es zwischen ihr und Busch einen sehr intensiven Brief-
wechsel, in dem sich der sonst sehr Verschlossene ausführlich zu Themen wie Wiedergeburt, Nationalität, Muttersprache, Erbsünde, Erotik, Familie und Platons Höhlengleichnis äußerte: Da Sie mich platonisch lieben, so will ich auch kein Brummbär sein. Liebe per distance gefällt dem Herrn wohl! Sie kommt mir vor wie zwei geflügelte Engelsköpfe auf Goldgrund. Aus dieser aufschlussreichen Korrespondenz sind Andersons Briefe nicht erhalten, die Briefe Buschs dagegen wurden bereits 1908 veröffentlicht.
Im Oktober 1875 kam es in Mainz zu einer Begegnung zwischen den beiden.Danach reiste Busch in fürchterlicher Stimmung zu seinem Verleger Bassermann weiter. Dieser erinnerte sich später daran, dass die Ursache für Buschs auf-
fälliges Verhalten in einer missglückten Brautschau ver-
mutet werden kann. Der Briefwechsel wurde noch eine Zeit lang mit deutlicher Zurückhaltung in größer werdenden Zeitabständen fortgesetzt und endete am 9. August 1878 mit kurzen, förmlichen aber endgültigen Zeilen:
Vor einer Stunde von der Insel im Meer zurückgekehrt, schicke ich Ihnen einliegend das Gewünschte zurück.
Mit freundlichem Gruß Wilh. Busch.