Johanna Kessler
* 9.5.1831, † 9.2.1915 in Frankfurt
Viele sehen in der Frankfurter Bankiersgattin Johanna Kessler die große – und unerfüllte – Liebe im Leben des Wilhelm Busch. Sicherlich kam die kluge und kunstsinnige Frau dem Wiedensahler Eigenbrötler so nahe, wie keine andere. Es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass hier wirklich mehr möglich war, als eine intensive Freundschaft. Das lag nicht nur daran, dass diese Ehefrau und mehrfache Mutter nicht mehr zu haben war. Die Krise der Freundschaft, eine fast 14-jährige „Sendepause“, verrät, dass Johanna sich einen anderen Busch wünschte und dass der Künstler sich in eine Rolle gedrängt fühlte, die ihm nicht behagte.
Wilhelm Busch lernte Johanna Kessler 1868 in Frankfurt kennen. Sein Bruder Otto wohnte als Hauslehrer der Kinder in der Villa. Busch verehrte die fasst Gleichaltrige einerseits als Kunstinteressierte, Gönnerin, als Mutter und Frau. Sie stellte ihm ein Atelier zur Verfügung und protegierte ihn.
Busch malte Johanna und Ehemann Johann Heinrich Kessler um 1874
Der Kontakt zu Johanna bestand bis 1872 sehr eng, dann zog sich Wilhelm Busch nach Wiedensahl zurück. Es folgten bis 1877 noch einige Besuche. Ein Brief von Johanna mit Anspielungen auf seine künstlerische Arbeit könnte Busch so verstimmt haben, dass er die Korrespondenz fast 14 Jahre ruhen ließ.
Nach 1891 schrieb man sich wieder, und es gab auch einige Besuche in „abgeklärter Stimmung“ bis an sein Lebensende.
Otto Bassermann schrieb einem Freund über Busch in Klatschmanier:
Busch lebt in Frankfurt, ist sehr fleißig, malt sogar in Öl,
hat aber mit kaum als mehr als 2 Menschen Umgang.
Der eine dieser Menschen ist eine Frau, aber nicht seine eigene.
Als „Onkel“ begegnete Wilhelm Busch in der Familie Kessler nicht nur der Dame des Hauses, sondern auch ihren Kindern. Besonders die beiden Mädchen Ferdinanda Nanda Kessler (* 7.6.1862, † 18.1.1909) und Letitia Letty Kessler
(* 21.10.1864, † Feb. 1944) waren ihm vertraut und hielten lange Briefkontakt. Aus seiner Frankfurter Zeit gibt es Zeichnungen und Gemälde der Kinder.