Stadthagen
Ort um Freunde zu treffen
Der Stadthäger Bahnhof war für den reisefreudigen Busch der Anschluss an die weite Welt. Meistens mit der Postkutsche und nur ganz selten zu Fuß legte er die zehn Kilometer zwi-
schen Wiedensahl und der Schaumburger Kleinstadt zurück. Seit 1871 verkehrte der gelbe Postwagen regelmäßig auf der Strecke über Niedernwöhren. Wenn Busch verreisen wollte, bekam Postfritze (Friedrich Bulmahn aus Wiedensahl) früh genug Bescheid und holte den prominenten Fahrgast dann zu Hause ab. Nicht selten nahm Busch neben ihm auf dem Kutschbock Platz. Während der Fahrt ließ er sich den neuesten Klatsch aus seiner Heimat berichten.
Stadthäger Pferdebahn um 1900 mit der Wilhelm Busch fuhr
Der Brauerei-Ausschank am Marktplatz, der runde Turm im Engelkingschen Gasthaus (heute Alte Polizei), der Goldene Engel und auf seinen Fernreisen via Stadthagen das Hotel Kaufhold gegenüber dem Bahnhof waren die Lokalitätten, in denen Wilhelm Busch gerne einkehrte und sich mit Freunden traf. Zu diesen gehörten August Meyer, Sägewerksbesitzer Otto Bosse und Brauerei-Gründer Wilhelm Lambrecht. Zu-
dem sind Visiten mit Jung-Münchnern legendär. Mit dem Freunde und den Neffen wanderte Busch auch einmal nach dem nahen Stadthagen hinüber, wo beim Dämmerschoppen im Brauhaus Lorenz Gedons Bierkonsum Aufsehen erregte.
Das Brauhaus Stadthagen um 1890
In Stadthagen auf dem Bahnhofe hörte ich, meine Schwe-
ster (…) würde mit dem nächsten Zuge daher kommen; und da ich vermuthete, daß sie ein Wagen von Wieden-
sahl abholen würde, so fing ich getrost an zu warten. Sie kam aber nicht und der Wagen auch nicht. Es hielt indeß der Wiedensahler Bäcker da (…). Es lag nur ganz wenig Stroh auf dem Wagen; ich hatte mich aber in Hannover müde gelaufen, zog also gutes Muths die Kniee unter den Barth, und fort ging’s. Nun war die ganze Chaußee voll Schuster, die nach Minden zu Markt gewesen. Die hockten auch noch mit auf und hauchten mir mit ihrem Schnapps-
athem recht schön warm hinter die Ohren, schrieb Busch am 23. März 1873 an Erich Bachmann.
Die Stadt der Weserrenaissance liegt zwischen Minden und Hannover. Im Süden erhebt sich der Bückeberg, ein Aus-
läufer des Weserberglandes, im Nordwesten liegt der Schaumburger Wald. Als sehenswertes Kunstdenkmal von überregionaler Bedeutung gilt das Mausoleum der Grafen und Fürsten von Schaumburg-Lippe mit der Auferstehungs-
plastik von Adrian de Vries. Die siebeneckige Anlage der Spätrenaissance geht als Bautypus auf das Grab der Medici an S. Lorenzo in Florenz zurück.
Im Jahr 1847 begann der Bau der Bahnlinie Minden – Hannover, zur gleichen Zeit entstand das heutige Bahnhofsgebäude.