Dresden
(Geschäfts-) Besuche 1860, 1871, 1872
Nachdem Busch viel für Caspar Braun gearbeitet hatte, such-
te er sich einen neuen Verleger: Heinrich Richter in Dresden hatte bisher nur die Werke seines Vaters, des Malers Ludwig Richter, sowie Kinderbücher veröffentlicht. Die 1864 im Richter-Verlag erschienenen Bilderpossen von Busch wurden ein Misserfolg. Vermutlich als Wiedergutmachung für den finanziellen Verlust bot Wilhelm Busch dem Dresdner Ver-
leger die Geschichte von Max und Moritz an, der jedoch das Manuskript wegen mangelnder Verkaufsaussichten ablehn-
te. Dreimal reiste Busch nach Dresden, wobei er auch den Vater Ludwig besuchte. Außerdem schaute er sich die Stadt, ihre Sehenswürdigkeiten und die Umgebung zu Fuß an.
Ich war in Dresden und sah die Galerie und in der Rotun-
de die prachtvollen Gobelins, wo das Licht in Golde aufge-
wirkt ist; ich stand voll Bewunderung vor der katho-
lischen Kirche; im Dämmerscheine erstieg ich die Brühl-
sche Terraße und blickte nach den freundlichen Hügeln hin; ich war beim alten Richter in Loschwitz oben; ich trank Bier auf dem Waldschlößchen und fuhr Abends spät zurück, hoch auf dem Omnibus, und sah von da hinab in der Elbe, im bewegten Waßer, den langgezogenen, zackigen Widerschein der Lichter tanzen; ich ließ mich sogar im Künstlerverein fêtiren und dachte bei alledem recht oft an – –, schrieb Busch am 29. September 1872 an Johanna Kessler.
Dresden wird auch Elbflorenz genannt, ursprünglich wegen seiner Kunstsammlungen, aber auch aufgrund seiner baro-
cken und mediterranen Architektur in der landschaftlich reizvollen Lage an der Elbe. Der auf die Märzrevolutionen folgende Dresdner Maiaufstand von 1849 zwang den säch-
sischen König Friedrich August II., die Stadt zu verlassen.
Er konnte sie erst durch preußische Unterstützung wieder gewinnen. Bekannte Teilnehmer des Aufstandes waren Richard Wagner und Gottfried Semper; beide verließen daraufhin Sachsen. Im weiteren 19. Jahrhundert blieb Dresden von Kriegen verschont und wurde Hauptstadt eines der stärksten Königreiche im Deutschen Reich.